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Mensch im Mittelpunkt
Wie wichtig sind die Bedürfnisse von Mitarbeitern? Und warum man sie als Arbeitgeber Ernst nehmen sollte, darüber finden Sie hier profunde Informationen.
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Menschliche Industriearchitektur: Das Unternehmen Wilkhahn
„Eine Fabrik ist eine Maschine mit einem Wellblechdach
drüber.“ So beschrieb der Stuttgarter Architekturprofessor
Schmitt in den 30er Jahren die damalige Industriearchitektur. Auch heute noch trifft diese Kritik in vielen Fällen zu.
Immer noch sind die Umgebungen, an denen Menschen einen Großteil ihres Tages und ihres Lebens verbringen - ihr Arbeitsplatz - eher trostlos und hässlich - in manchen Fällen sogar gesundheitsschädigend - als angenehm und motivierend.
Anders bei der Firma Wilkhahn, dem niedersächsischen Hersteller von Sitzmöbeln und Tischen.
Nähert man sich von weitem dem Gelände, springt dem Betrachter kein monströses Bauwerk in altbekannter Flachdachtradition ins Auge, sondern man erkennt vier Pavillons mit Zeltdächern, die sich von der sie umgebenden Landschaft abheben, ohne dabei zum Störfaktor zu werden.
"Bei Wilkhahn werden keine zwei Backsteine mehr übereinandergelegt, wenn dabei nicht ein Gebäude entsteht, bei dem Ökologie und Ökonomie, Ästhetik und humane Aspekte auf einem Nenner sind", so lautete 1984 eine Notiz von Fritz Hahne, dem Mitbegründer des Unternehmens. Diesem Prinzip ist das Unternehmen über die Jahrzehnte hinweg seit seiner Gründung bis heute gefolgt.
Unternehmenskultur braucht Raum
Selbstbestimmung am Arbeitsplatz, antihierarchische Gruppenarbeit und "ständig lernende soziotechnische Systeme" sind die Maxime der wilkhahnschen Unternehmensphilosophie. Schnell wurde klar, dass Konzepte wie kooperative Arbeitsformen nur funktionieren, wenn die Räume dies auch zulassen.
So stieß der Architekt Frei Otto Ende der Achtziger Jahre, als der Bau neuer Produktionsanlagen für die Polsterei notwendig wurde, auf offene Ohren mit seinem Bestreben, in Konstruktion und Ausbau möglichst Holz zu verwenden, durch kontrollierten Einsatz des Tageslichts Energie einzusparen, ein weitgehend natürliches Lüftungssystem zu entwickeln und die Dächer als Klima und Regenwasserpuffer zu begrünen. Es entstanden vier lichte, luftige Produktionspavillons in einer Holz-Hängestabkonstruktion.
Betritt man das Empfangs- und Verwaltungsgebäude - den älteren Teil des Unternehmens - erkennt der Besucher sofort die alte Bauhaustradition der zwanziger Jahre. Damals schon sollten Form und Funktionalität eines Gebäudes eine Einheit bilden. Ziel war es, eine sinnfällige, einfache, gebrauchsgerechte und damit gute Form des Bauens zu finden. Der lichtdurchflutete Empfangsraum mit einem begrünten Innenhof zeugt davon.
Beim Betreten der Pavillonhallen, in denen die Polstereiwerkstatt, Büro- und Gruppenräume untergebracht sind, wird man von hellem Tageslicht überrascht, wo man normalerweise grelle Neonbeleuchtung erwartet. Großflächige Verglasungen bieten freien Ausblick auf die Landschaft. Zu jeder Jahreszeit herrscht hier eine angenehme, gleichmäßige Temperatur - ohne künstliche Klimatisierung und bei sparsamem Aufwand an Heizenergie.
Hinter jedem Teil dieser Architektur bei Wilkhahn macht sich das Prinzip des ökologischen Hightechbaus bemerkbar. Keine alternative Lebensphilosophie, sondern die Zielgebung, unter Einsatz aller technischen Möglichkeiten ein Werk zu bauen, in dem Design nicht zum Selbstzweck wird, sondern in dem der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen.
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