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Mensch im Mittelpunkt
Wie wichtig sind die Bedürfnisse von Mitarbeitern? Und warum man sie als Arbeitgeber Ernst nehmen sollte, darüber finden Sie hier profunde Informationen.
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Mittelpunkt Mensch
Wenn Thyssen eine Betriebsvereinbarung zur Gleichbehand-lung aller Mitarbeiter abschließt oder die hauseigene Freizeitorganisation von Ford den Mitarbeitern Angebote macht, dann
betonen die Großunternehmen damit ihre -soziale -Verantwortung: Mitarbeiterbindung statt Anonymität. Ist dieses Thema auch für kleine und mittelständische Unternehmen von Bedeutung?
Was veranlasst zum Beispiel eine Fahrschule, sich an ökologischen Leitsätzen zu orientieren, ein mittelständisches Textilunternehmen, frauenfreundliche Arbeitszeiten anzubieten und den kleinen Automobilzulieferer, eine Mitarbeiterbeteiligung einzuführen? Bedeutet dies nicht einen erhöhten Aufwand ohne Ertrag?
Heidi Mall vom Arbeitsmedizinischen Zentrum Pforzheim widerspricht: "Es gibt Modelle der Betriebsführung, die sowohl den Anforderungen des Marktes entsprechen als auch den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entgegenkommen. Ihre flexible Ausgestaltung kann für beide Seiten Chance und Nutzen sein."
Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen sei es von Vorteil, ihre Organisationsgestaltung nach humanen Gesichtspunkten auszurichten. Damit würden sie ihre Stärken - Flexibilität und Anpassungsfähigkeit - fördern und Beweglichkeit in der Produktion und im Service als bedeutenden Wettbewerbsvorteil nutzen.
Wettbewerbsvorteile durch zufriedene Mitarbeiter
Die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen ist für Brauereibesitzer Gottfried Härle aus dem schwäbischen Leutkirch ein zentraler Punkt: "Kundenorientierung kann man nur erreichen, wenn die Mitarbeiter sich mit dem Unternehmen identifizieren. Und das kann nur dann gelingen, wenn die Mitarbeiter mit den Arbeitsbedingungen und dem Unternehmen zufrieden sind."
Gottfried Härle leitet die Privatbrauerei mit 35 Mitarbeitern nach den Grundsätzen ökologischer Betriebsführung und humaner Arbeitsbedingungen. Diese Unternehmensziele sieht er als gleichrangig zu dem der betriebswirtschaftlichen Rentabilität: "Wir versuchen Lösungen zu finden, die den Bedürfnissen der Arbeitnehmer entsprechen, aber natürlich auch denen des Betriebes. Das ist immer ein Prozess, der ständig erneuert werden muss." Für diesen Prozess steht er in der persönlichen Verantwortung: "Wir sind ein kleiner Betrieb. Ich bin für Mitarbeiter und Kunden immer präsent. Ich kann es mir gar nicht erlauben, meine betrieblichen Grundsätze zu verletzen, sonst werde ich unglaubwürdig."
Ein Stück persönlicher und unternehmerischer Verantwortung tragen auch seine Mitarbeiter. Dank eines ausgeklügelten Modells in Form von Betriebskonten mit Gewinnbeteiligung werden von ihnen 20 Prozent des Betriebskapitals gehalten. Für Gottfried Härle hat dies neben sozialen Aspekten auch betriebswirtschaftliche Vorteile: "Das ist für den Betrieb mittlerweile durchaus eine Alternative zu Fremddarlehen."
Es gibt kein Patentrezept
Heidi Mall rechnet damit, dass immer mehr Betriebe durch die Produktivität der Konkurrenz gezwungen werden, neue Organisationsformen einzuführen. Allerdings müsse jedes Unternehmen seinen individuellen Zuschnitt entwickeln. "Wenn bisher so viele Modelle gescheitert sind oder in den Schubladen von Unternehmen verstauben", meint sie, "liegt dies vor allem an der Erwartungshaltung, es gäbe ein Patentrezept".
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