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Erfolgsfaktoren – Absatz und Vertrieb
 
Ob Nische, Diversifikation oder Preisführerschaft - es gibt viele Strategien, die zum Erfolg führen können. Die Kunst ist es jedoch, die Richtige für das eigene Unternehmen zu finden.


Herr des Mülls  

Wer in Lünen vor den Toren Dortmunds den Weg zur Rethmann-Gruppe sucht, muss sich nur an einer Ansammlung von Straßen orientieren, die namentlich auf Abfall verweisen: An der Kompoststraße, Ecke Schlackestraße liegt die Zentrale des nach eigenen Angaben größten Zentrums für Kreislaufwirtschaft Europas. Die Zahlen sind eindrucksvoll: Das Familienunternehmen mit seinen rund 570 Firmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit 34.500 Mitarbeitern in 25 Ländern einen Umsatz von 7,6 Milliarden Euro. Der Aufstieg zu Deutschlands erstem Resteverwerter ist eng mit dem Namen Norbert Rethmann verbunden.


Der 1939 geborene Norbert Rethmann praktizierte sein Geschäft schon, als hierzulande Begriffe wie Recycling oder Entsorgungswirtschaft Fremdwörter waren. Rethmann hat die Branche schon früh als Wachstumssektor ausgemacht. "Ich muss kein Grüner sein, um vom Recycling überzeugt zu sein", sagte er einmal, gefragt nach der Motivation über sein Unternehmertum. Der Erfolg war ihm aber nicht in die Wiege gelegt. Als 22-Jähriger stieg er 1961 in die Spedition seines Vaters in Selm ein. Das kleine Unternehmen bediente damals mit fünf Mitarbeitern die ganze Palette von der Post bis zur Müllabfuhr, der Leichenwagen im Fuhrpark fuhr noch mit echten Pferdestärken. Im gleichen Jahr gewann Rethmann die Ausschreibung der Stadt Selm zur "staubfreien Abfuhr" von Müll und schaffte den ersten richtigen Mülltransporter an - eine wegweisende Entscheidung. Schnell konzentrierte sich Norbert Rethmann in den Folgejahren auf den Ausbau der Aktivitäten rund um den Mülltransport. 1969 übernahm er die Geschäftsleitung des Unternehmens und expandierte im In- und Ausland. Damals lag der Umsatz bei 1,6 Millionen D-Mark. Wachstumsschritte - und Schlagzeilen machte Rethmann immer wieder durch große Übernahmen. Der größte Coup gelang dem Westfalen mitder Übernahme des Branchenführers RWE Umwelt, womit sich das Unternehmen selbst an die Spitze katapultierte. 1978 war Rethmann noch ein mittelständisches Unternehmen, heute ist es eines der 50 größten in Deutschland. "Bei uns sind Übernahmen nicht so sehr vom Preis abhängig, sondern von der Frage, ob wir jemanden haben, der das neue Unternehmen leitet", kommentierte Rethmann die Mehrheitsübernahme der RWE-Umweltsparte.


Er selbst hat sich frühzeitig um die Nachfolge in seinem Betrieb gekümmert, den er nach wie vor als Familienunternehmen begreift. 96 % der Anteile an der Unternehmensgruppe hat der Unternehmer bereits an seine vier Söhne übertragen, drei von ihnen gehören heute zur Unternehmensleitung, er selbst ist Aufsichtsratsvorsitzender. "Ein Familienunternehmen funktioniert nur, wenn die ganze Familie tatsächlich dahinter steht", so sein Fazit - und er betont immer wieder, wie wichtig die Rückendeckung seiner Frau dabei gewesen sei. Die Familienholding basiert heute auf drei Säulen: Mit ihrer milliardenschweren Tochterfirma Remondis dominieren die Rethmanns das deutsche Müllwesen. Mehrere Milliarden Euro setzt die Spedition Rhenus um, weitere 600 Millionen die Saria Bio- Industrie, der europäische Marktführer für Tierkörperbeseitigung. Rethmanns Gruppe wächst seit vielen Jahren mit Raten zwischen 15 und 25 %. "So ein Erfolg wie bei Rethmann hängt immer an Personen", analysiert Lünens Wirtschaftsförderer Michael Sponholz - und ist sich sicher, dass das Unternehmen weiter wächst: "Bei sieben Milliarden Menschen weltweit wird die Kreislaufwirtschaft immer größere Bedeutung bekommen."




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