|
|
Fachkompetenz
Der demografische Wandel macht sich in vielen Branchen immer deutlicher bemerkbar. Nur mit den besten Köpfen ist diese Hürde zu packen - fachkomptente Mitarbeiter sind das Potential für die Zukunft.
|
Mit Leidenschaft und Können
System-Administratoren oder Wellnessmanager: Im IT-Bereich und im Sport- und Freizeitsektor entstehen scheinbar über Nacht neue Berufe. Wer will da noch einen der alten Traditionsberufe ergreifen? Bei Köchen, Bäckern oder auch Fleischern jedenfalls herrscht ein hoher Bedarf an Nachwuchs, der trotz aller Bemühungen der Innungen nicht befriedigt werden kann. Dafür stoßen immer mehr „Museumsberufe" auf Interesse - nicht nur als Liebhaberei, sondern als handfeste Arbeit.
Unkonventionelle Arbeitszeiten, körperlicher Einsatz und Berufe, bei denen auch schon mal die Hände schmutzig werden, stehen an letzter Stelle der Beliebtheitsskala. Dies gilt insbesondere für Berufe, die als antiquiert oder sogar als ausgestorben gelten. Und doch sind Hufschmiede, Holzschnitzer oder Schäfer nicht auf das Terrain von Hobby- Aktivisten zurückgewichen oder allein Attraktionen auf mittelalterlichen Jahrmärkten, sondern Gewerbetreibende mit Zukunft. Das Schmiedehandwerk etwa setzt derzeit auf die beständig wachsende Zahl von Pferdesportliebhabern. Seit den 80er Jahren ist Reiten zum Breitensport avanciert und entsprechend herrscht Bedarf an Hufbeschlagschmieden. "Bislang war das Handwerk im Rahmen eines Praktikums und einer viermonatigen Fortbildung als zusätzliche Qualifikation zu einer Ausbildung im Metallbau zu erlernen", erläutert Ulf Schwarma, der einen mobilen Hufschmiedebetrieb in Kerken am Niederrhein betreibt. "Nun wird darüber nachgedacht, das Handwerk wieder zu einem Lehrberuf zu machen." Denn in den Kurzzeitausbildungen kommt die fachliche Qualifizierung oft zu kurz.
Und die hat es in sich: Neben Kenntnissen im Hufbeschlag setzt dieser Beruf auch den adäquaten Umgang mit Pferden und tiermedizinische Kenntnisse voraus. "Liebe zum Material, Ausdauer, räumliches Vorstellungsvermögen sowie gute zeichnerische Fähigkeiten sind Voraus- setzungen, um den Beruf des Holzschnitzers zu erlernen", so fasst Joachim Uhlig kurz zusammen, was diesen alten Handwerksberuf ausmacht. Seit über 30 Jahren führt Uhlig einen Familienbetrieb in Klaffenbach, einem Ortsteil von Chemnitz. Neben Krippenfiguren werden hier auch Holzfiguren geschnitzt, die als Deko für die regionaltypischen erzgebirgischen Weihnachtspyramiden bekannt sind. Bis auf die Sommermonate ist die Schnitzstube das ganze Jahr über ausgelastet - Höhepunkt ist natürlich das Vorweihnachtsgeschäft. Seit Jahren finden Uhligs Weihnachtsklassiker ihren Markt: "Reich wird man damit nicht", konstatiert Uhlig und dämpft damit übertriebene Erwartungen von Berufsanfängern. Aber zufrieden wohl schon, er selbst hat seine damalige Umschulung nach einer Beschäftigung in der Metallbranche bis heute nicht bereut. Individualisten, aber keine Träumer, sind für den Beruf des Schäfers gefragt. Uwe Leidemann ist Herr über rund 300 Schafe und arbeitet im Angestelltenverhältnis auf dem Kempener Gut Heimendahl bei Krefeld. Den gelernten Zimmermann führte seine Tierliebe in den neuen Beruf - eine richtige Entscheidung sei das gewesen, sagt er. Das selbstbestimmte Arbeiten unter freiem Himmel ohne großen Leistungsdruck mache für ihn die Arbeit zum Traumjob. Dass sein Beruf keine Feiertage kennt, ist für ihn daher auch kein Problem - Schäfer zu sein, sei eben ein Stück ganz besondere Lebensqualität.
| |  |