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Chancengleichheit
 
Die Vielfalt der Gesellschaft: Das Jahr der Chancengleichheit ist das Herzstück einer Rahmenstrategie, die die Öffentlichkeit für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung bestimmter Gruppen sensibilisieren soll.


Der (Sprach-)Kampf der Geschlechter  

„Ungerechtigkeit ist relativ leicht zu ertragen, Gerechtigkeit tut weh", wusste schon der amerikanische Schriftsteller Henry Louis Mencken (1880-1956). Er muss damals von der Geschlechtergerechtigkeit gesprochen haben, die massiven Einzug in die deutsche Sprache hält.


Eigentlich kann man nur alles falsch machen - frau übrigens auch - wenn es darum geht, die richtige Schreibweise für die verschiedenen Geschlechter zu verwenden. Einfach nur die männliche Form zu verwenden, ist gerade im EU-Jahr der Chancengleichheit politisch völlig unkorrekt. Dem um political correctness und Gleichberechtigung bemühten Schreibenden bleibt also nichts anderes übrig, als sich in den Irrgarten der geschlechtergerechten Sprache zu wagen. Und hier wird er gleich vom so genannte Majuskel- oder Binnen-I begrüßt. Einst von VorreiterInnen der Emanzipation eingeführt, hat heute längst jeder Politiker die "Innen" in unserem Lande verInnerlicht. Auch weibliche Stimmen zählen schließlich. Dass es das Binnen-I laut Duden gar nicht gibt, stört dabei nur eingefleischte BesserwisserInnen. Empfindsamer reagiert da so mancher männlicher Leser: Weil das Binnen-I als typographischer Notbehelf beim flüchtigen Lesen nicht von einem normalen i unterschieden werden kann, fühlt sich der männliche Teil der Bevölkerung ganz schnell diskriminiert. Und das geht im Jahr nach Erlass des Antidiskriminisierungsgesetzes natürlich gar nicht. Wer das Binnen-I als zu feministisch kritisiert, spricht stattdessen selbstverständlich von den Wählerinnen und Wählern, den Europäerinnen und Europäern, den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Das kostet mehr Zeit beim Reden und beim Lesen manchmal auch noch Nerven. Denn nichts bläht einen Text so sehr auf wie das politisch korrekte Aufzählen aller beteiligten Geschlechter: Wenn Lehrerinnen und Lehrer sich mit den Schülerinnen und Schülern über die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Ausflugs besprechen, weiß am Ende niemand mehr, wohin die Reise geht. Wer sich dieser sprachlichen Anstrengung nicht unterwerfen will, flieht genervt in Konstrukte wie Lesende, die bereits beide Formen enthalten. Dann steht am Ende des Geschlechterkampfes die Neutralität.


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