|
|
Chancengleichheit
Die Vielfalt der Gesellschaft: Das Jahr der Chancengleichheit ist das Herzstück einer Rahmenstrategie, die die Öffentlichkeit für Gleichstellung und Nichtdiskriminierung bestimmter Gruppen sensibilisieren soll.
|
Die Betriebe sind willig …
Zwei Drittel aller Unternehmen würden gerne mehr „geringqualifizierte Arbeitnehmer", also Menschen ohne Berufsausbildung, beschäftigen. Doch die Politik bremst durch hohe Einstellungshürden. So bleibt wichtiges Potenzial ungenutzt, denn Ungelernte entlasten nicht nur die übrige Belegschaft, sondern erweisen sich auch immer wieder als zuverlässig und leistungsbereit.
Tanja Siegmund, Pressesprecherin der Adecco Personaldienstleistungen GmbH, ist zufrieden. Dank Wirtschaftsaufschwung gibt es einen hohen Bedarf an Personal - auch an ungelernten Kräften. Rund 3.000 Geringqualifizierte hat das Unternehmen aus Fulda im letzten Jahr vermittelt. "Die Arbeitnehmer sind meist motiviert, die Rückmeldungen der Betriebe entsprechend positiv", berichtet Siegmund. "Beweis dafür ist, dass fast jede dritte ungelernte Kraft von der Firma übernommen wurde - obwohl sie zunächst nur für eine vorübergehende Produktionsspitze gebucht war." Doch möglich wäre noch viel mehr: Nach einer Anfang 2007 unter 20.000 Betrieben durchgeführten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) würden zwei Drittel aller Unternehmen gern weitere Geringqualifizierte beschäftigen. Dazu gehören keinesfalls nur solche Branchen, die Arbeitnehmern ohne Berufsausbildung ohnehin aufgeschlossen gegenüberstehen, wie Zeitarbeitsfirmen, Gesundheitsdienstleister oder die Sicherheitswirtschaft. Auch Bau und Industrie zeigten sich durchaus interessiert am Leistungspotenzial ungelernter Arbeitskräfte - wenn die Einstellungshürden nicht wären.
Stolperstein Lohnzusatzkosten Beschäftigungsbremse Nr. eins sind hierbei die vergleichsweise hohen Arbeitskosten für Einfachtätigkeiten. Fast 40% der Betriebe geben an, dass sie deshalb keine Arbeitsplätze für Geringqualifizierte anbieten. "Oberstes Gebot muss die Senkung der Lohnzusatzkosten sein, die im Segment der Einfacharbeiten besonders zu Buche schlagen", mahnt auch Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Arbeitsmarktexperte des DIHK. Ein Drittel der Unternehmen bezeichnet die restriktiven Vorgaben bei Befristung und Kündigungsschutz als größten Hemmschuh bei der Einstellung Geringqualifizierter, ein weiteres Drittel klagt über eine zu geringe Produktivität der Arbeit. Die Reaktion auf die Einstellungshürden ist meist abhängig von der Größe des Betriebes: Kleine Unternehmen lassen Aufgaben, die sich für Ungelernte eignen, von besser Qualifizierten miterledigen - was bei diesen oft zu Lasten von Produktivität und Motivation geht. Bei größeren Unternehmen führt der Weg dagegen über Automatisierung und Auslagerung. "Dadurch werden ökonomische Chancen der Arbeitsteilung vertan", bedauert Dercks. Die Ergebnisse der DIHK-Studie belegen, dass die bestehenden Einstellungshemmnisse beherzt angegangen werden müssen. Ein politischer Kraftakt, der sich lohne, so Dercks: "Wir können und wollen der Politik Mut machen, diese Chance zu nutzen. Die Vorzeichen sind dank der Wirtschaftsentwicklung günstig."
| |  |