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Aus Liebe zum Obstbau  

Johannes Eggert ist Obstbauer aus Passion und mit dem Obstgut vor den Toren der Hansestadt Stralsund verwachsen. Mehr als 20 Jahre leitet er den Betrieb, seit 2003 gehört er ihm. Zusammen mit Sohn Sylvio hat er das Obstgut mit etwa 160 Hektar Pachtland von der ELRO Beteiligungsgesellschaft Rostock gekauft. Sich privatisiert, „tüchtig Schulden gemacht" und Verantwortung für 18 Vollbeschäftigte übernommen. In der Erntezeit kommen noch mal 100 Saisonkräfte hinzu.


"Aber das alles macht Sinn, wenn ich an die nächste Generation denke." Die hat bereits ihren Facharbeiterbrief in der Tasche: Sowohl Enkeltochter Nicole Schröder als auch Enkelsohn Daniel Eggert erlernten ihre Berufe von der Pike auf - die Liebe zum Obstbau wurde ihnen mit in die Wiege gelegt. Auch bei Johannes Eggert ist diese Liebe allgegenwärtig: Wenn er im Sommer die ersten knospenden Früchte befühlt. Wenn er im Winter den "Tiefschlaf" seiner Äpfel im Speziallager überwacht. Und natürlich auch dann, wenn er für seine naturnahe Produktion das Zertifikat für "Obst aus Integriertem Anbau" entgegennimmt. In diesem Jahr geht der Obstbaudiplomingenieur in seine 29. Apfelernte, die Hauptproduktion des Obstgutes. Auf den 160 Hektar wachsen 60 verschiedene Apfelsorten, darunter 40 Sorten für die Mostherstellung. "Wir pflanzen nur, was uns schmeckt", so das Credo vom Chef. Und meint damit nicht sich und seine Angestellten, sondern die Kunden. Immer wieder bietet er die neuesten Züchtungen an, um anschließend geduldig die Resonanz abzuwarten. "Wenn die Kunden eine bestimmte Sorte verlangen, pflanzen wir sie an." Nach der Wende wurden so im Obstgut etwa 30 ha mit Tafeläpfeln und 40 ha mit modernen, resistenten Apfelsorten für die Industrie bepflanzt. "Mit den verbliebenen 80 Hektar Industrieäpfeln hätten wir bis vor zwei Jahren gut leben können", so Johannes Eggert. Doch 2007 macht ihm der Preisverfall einen Strich durch die Rechnung: "5,8 Cent haben wir im letzten Jahr für ein Kilogramm Industrieäpfel bekommen. Dafür sind wir noch bis Paderborn gefahren", beschreibt er die missliche Lage, für die es auch in diesem Jahr keine besseren Prognosen gibt. Also haben die Obstbauern um Eggert umdisponiert und 75 Hektar des Obstgutes auf eine ökologische Produktion umgestellt. Zum einen reagierte das Unternehmen damit auf die verstärkte Nachfrage nach Bio-Äpfeln, zum anderen werden Bio-Äpfel heute besser bezahlt. "Drei Jahre dauert die Umstellungsphase, die nach strengen Richtlinien erfolgt", erklärt der Fachmann. 2010 bietet er das erste Bio-Obst an.
Intensive Kundenbindung
"Wir haben vielen in der Umgebung beigebracht, Äpfel zu essen", ist Johannes Eggert überzeugt. Aber auch durch die sommerlichen Selbstpflückaktionen hat er einen festen Kundenstamm an sich gebunden. "Und zu Weihnachten können bei uns Weihnachtsbäume geschlagen werden", bedient er eine weitere Marktnische. A propos Marktnischen: Auch die 800 Legehennen aus der Bodenhaltung gehören dazu. Oder die 1000 Enten und Gänse, die nur in der Direktvermarktung zu Weihnachten und Silvester verkauft werden. Oder der Futterverkauf, der von Hunde-, Kaninchen- oder Geflügelhaltern sehr gut angenommen wird. Der Gewinn, der mit dem Obstgut erwirtschaftet wird, fließt sofort in das junge Familienunternehmen zurück - hier besteht nach Aussagen Eggerts noch großer Nachholbedarf: "Zu ELRO-Zeiten wurde zu wenig investiert." Diese Fehler müsse man nun wieder gut machen - nur wer auf dem modernsten Stand sei, fliege nicht vom Markt. "In diesen schweren Zeiten müssen wir Wege finden, wie wir eine Insolvenz umgehen können", ist sich Johannes Eggert immer bewusst. "Von den ehemals 24 Obstanlagen in Vorpommern gibt es nur noch uns. Wir sind die einzigen, die überlebt haben", sagt Johannes Eggert, der im August 66 geworden ist, "und ich habe noch keine Lust aufzuhören."



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